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"Archivale des Monats"

An jedem ersten Dienstag des Monats wird ein ausgewähltes Dokument der Stadtgeschichte präsentiert. Besucherinnen und Besucher können Schriftstücke, Pläne und Objekte im Original sehen und erfahren etwas über deren Herkunft und Geschichte.

Archivale des Monats August 2020

Bilder der Fotosammlung: Die Jagst in Crailsheim – Segen und Fluch

In der Fotosammlung des Stadtarchivs sind rund 7500 Aufnahmen verzeichnet: Fotografien von Crailsheim und seiner Umgebung, Bilder von Straßen, Plätzen, Gebäuden. Die fränkische Stadt der Vorkriegszeit ist in nostalgisch-schönen Aufnahmen zu sehen, aber auch die Hoffnungslosigkeit der Kriegszerstörung und der anschließende Wiederaufbau. Personen und Ereignisse sind in spontanen, aussagekräftigen Momentaufnahmen festgehalten. Alle diese Bilder dokumentieren das vielfältige Leben in der Stadt in den letzten eineinhalb Jahrhunderten.

In diesen heißen und kürzlich von Starkregen geprägten Tagen liegt es nahe, als Archivale des Monats August einige Bilder auszuwählen, die Badefreuden und Hochwasserleiden an der Jagst zeigen.

"Strandbad Crailsheim"

Bevor das Freibad im Maulachtal in den Jahren 1979-1981 gebaut wurde, vergnügten sich die Crailsheimer den Sommer über im Jagstbad unterhalb der Johanneskirche. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts entstanden mit einer zunehmenden Anerkennung von sportlichen Betätigungen für die Gesundheit auch öffentliche Bäder. In Crailsheim gab es spätestens seit Ende der 1880er Jahre eine „städtische Badeanstalt an der Jagst“, in idyllischer Lage mit einer Liegewiese mit altem Baumbestand und einem Umkleidehaus. Die Sittsamkeit war in der Anfangszeit dadurch gewährleistet, dass es für Frauen und Männer, Mädchen und Knaben jeweils einen eigenen Badeplatz gab. Ab 1958 gab es ein eigenes Lehrschwimmbecken im Bereich der Liegewiese.

Der Bau der südlichen Stadtkernumgehung mit dem Bau der neuen Brücke Ende der 1970er Jahre beendete dieses sommerliche Vergnügen.   

Badefreuden im Frauenbad
Jagstbad mit Lehrschwimmbecken, 1960/70er Jahre

Die Lage Crailsheims an der Jagst hatte und hat ihre schönen Seiten, manchmal gibt es jedoch auch Unannehmlichkeiten für die Bewohner am Fluss: Hochwasser und starke Regenfälle werden bereits in den alten Stadtchroniken als bedrohliche Ereignisse dokumentiert. So ist in der Heelschen Chronik von Crailsheim festgehalten, dass am 24. Juni 1664 das Wehr des Spitalsees, also der Bereich des Kreisverkehrs am Bullingereck, so stark überflutet war, dass man „knietief waten musste“. Ein Unwetter 1729 überschwemmte den Bereich an der Jagstbrücke, so dass in der dortigen Kirche der Altar überflutet wurde. Zahlreiche weitere Hochwasser in Winter- und Sommermonaten sind belegt. Bilder aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zeigen anschaulich, dass solche Ereignisse immer wieder vorkommen.

Bei einem Hochwasser zu Beginn des 20. Jahrhunderts sieht man sogar Crailsheimer auf dem Boot durch die überfluteten Straßen gleiten – Venedig lässt grüßen! Dass Crailsheim der Gondel-Stadt den Rang ablaufen könnte, oder gar Stand-up-Paddling in Crailsheim erfunden worden sein könnte, zeigt ein Bild mit einem aufrecht in seinem Kahn stehenden Mann aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Möglichkeiten und Ideen für eine Nutzung der Jagst gibt es viele!

Hochwasser an der Jagst, um 1910
Hochwasser an der Jagst, um 1910
Auf der Jagst vor dem ehemaligen Gaswerk, 1956: „Gondoliere“ oder „Stand-up-Paddler“?