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Seite aus dem Stammbuch Familien Most und Eychmüller
Seite aus dem Stammbuch Familien Most und Eychmüller, Stadtarchiv

Archivale des Monats März 2020

Stammbuch/Album Amoricum der Familie Most, Loseblattsammlung in einer Pappschatulle

Das Stammbuch der Familien Most und Eichmüller aus dem 19. Jahrhundert. In diesem Freundschaftsbuch sind handgeschriebene Glückwunschgedichte versammelt, die teilweise sehr liebevoll illustriert wurden. Ein Mitglied der Familie, Georg Andreas Eychmüller, war von 1809 bis 1813 Bürgermeister der Stadt Crailsheim.

Archivale des Monats April 2020

Das erste städtische Rechnungsbuch von 1437-1450

Im Allgemeinen gelten Rechnungsbücher nicht gerade als unterhaltsame oder gar aufregende Lektüre. Wer sich jedoch mit der frühen Geschichte oder Baugeschichte einer Stadt beschäftigt, kommt an ihnen kaum vorbei: Sie bieten einen detaillierten Einblick in die Entwicklung einer Stadt, denn in ihnen sind die öffentlichen Einnahmen und Ausgaben festgehalten – und damit ganz unterschiedliche Dinge wie Steuererhebungen, Bußgelder, Bausachen oder Kriegsausgaben. Das macht zwar eine gezielte Suche nach dem Bau eines bestimmten Gebäudes oder nach einer bestimmten Person ein wenig zu einem Glücksspiel. Wenn man sich jedoch in die breite Federschrift des Mittelalters eingelesen hat, wird man mit einer Fülle von Informationen belohnt.

 

Die Rechnungsbücher im Crailsheimer Stadtarchiv haben die Bestandssignatur 13

Im Crailsheimer Stadtarchiv haben sich bemerkenswerterweise die städtischen Rechnungsbücher seit 1437 erhalten. Es handelt sich um schmale hochformatige Bände, in denen die einzelnen Hefte der jährlichen Abrechnungen zusammengebunden sind. Da das Verwalten der Einnahmen und Ausgaben damals ein sogenannter Baumeister übernahm, der jährlich aus den Reihen des Rates gewählt wurde, werden die Bücher auch Bauamtsregister genannt. In ihnen werden zunächst die Einnahmen zusammengefasst, die aus verschiedenen Steuern, Bußgeldern, Zinsen und Verkäufen zustande kamen. Eine sehr gute Einnahmequelle stellte beispielsweise der Fischverkauf dar, den die Stadt aus der Bewirtschaftung mehrerer Seen stemmte.

So konnte sich die Stadt nicht nur Investitionen für Infrastruktur in Form von Wege-, Wasserleitungs- und Stadtmauerbau leisten, sie beschäftigte auch fest angestellte Personen für öffentliche Aufgaben, die Stadtknechte: Zu ihnen zählten der Stadtschreiber, der Büttel, die drei Torwärter, der Türmer, sowie der Nachrichter (Henker) und der Zöllner. Weiter Ausgaben zeigen, welche Aufwendungen für die unterschiedlichen Dienste nötig waren, so erhielt der Schreiber regelmäßig Papier, die Wärter und der Türmer hingegen regelmäßig Holz zum Heizen ihrer Stuben. Besondere Ausgaben sind ebenfalls genannt, beispielsweise ein Signalhorn für den Türmer im Jahr 1445: „ein kue horn uff den thurn“.

Solche allgemeinen Ausgaben finden sich dann auch in der Rubrik „Ein Gemeins“, also „Allgemeines“. In ihr sind auch die kleineren Reparaturen an den städtischen Gebäuden festgehalten, dem Rathaus und der Stadtmauer mit angeschlossenen Türmen. Gab es hier größere Baumaßnahmen, erhalten diese eine eigene Rubrik. So kann man sehr gut nachvollziehen, wann bestimmte Gebäude oder Türme gebaut oder saniert wurden. Zusammen mit bildlichen Darstellungen der Stadt ist eine Rekonstruktion der baulichen Entwicklung möglich.

Städtisches Rechnungsbuch: Entlohnung der Stadtknechte
In den Stadtrechnungen werden die Ausgaben für die Stadtmauer mit den Türmen festgehalten

Sind in Stadtrechnungen Einnahmen für das “Ungeld” verzeichnet, also für die Steuer auf den eingelagerten Wein, so ist das ein wichtiges Indiz, dass die Stadt eine Befestigung zu finanzieren hat.

Die Rechnungsbücher sind überdies eine hervorragende Quelle zur Dialektforschung. Überrascht kann man feststellen, dass sich seit etwa 1450 die Sprache vor allem im Dialekt nur wenig verändert hat – und manche eigenwilligen Wörter bis heute gängig sind. Eine Kostprobe aus der Aufzählung der Lebensmittel, die die „Rayser“, also die Kriegsleute, mit auf den Feldzug nach Jagstberg genommen haben: Man sieht, Lebensmittel sind wichtig und „Erwayß“ gab es schon damals im Hohenlohischen. (lb = Pfund, gld = Gulden, dn = Pfennig, facit = das macht)

 

xv lb xii (dn) umb drey aymer und funff moß weins den raysern

xx maß den gesellen, die raysen solten, zu Irem anbiß, facit ii lb.

iii lb iiii dn vertzert, bis man all sach zu der rayß zugerüst hat.

ii gld umb dinckel, darauß man bort (Brot) In die rayß gebacken hat.

iii gld den raysern zerung ersten mals

viii dn vom weinfas zu beraiten In die rayß

xii dn umb zwu zainen

vi dn umb zaway buttervesslich

x dn ümb remen und schnüre

lxiiii dn umb habern den waggenpferden morgens und nachts, als man In die rayß zyhen wolt.

viii dn für hew

ii gld und lvi dn umb buttern

iii gld i ort für ein ochsen

lvi dn umb habern zu müeßmel

ii lb ümb saltz

xxvi dn ümb erwayß

Summa x gulden i ort xxx lb xxii dn

 

 

(Abschrift von Hans Gräser, der die Rechnungsbücher nach und nach transkribiert.)