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"Archivale des Monats"

An jedem ersten Dienstag des Monats wird ein ausgewähltes Dokument der Stadtgeschichte präsentiert. Besucherinnen und Besucher können Schriftstücke, Pläne und Objekte im Original sehen und erfahren etwas über deren Herkunft und Geschichte.

Archivale des Monats Juli 2020

„Dem großen, guten Mann“

Im Stadtarchiv Crailsheim hat sich ein Preisgedicht auf den preußischen Minister Carl August von Hardenberg erhalten. Die Stadt huldigt ihn als Förderer von Frieden und Wohlstand.

Fast 400 Jahre lang gehörte Crailsheim zur Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach – dann begannen turbulente Zeiten: Crailsheim wurde in wenigen Jahren nacheinander preußisch, französisch, bayrisch und schließlich württembergisch.

Was war passiert? Ende des Jahres 1791 verfasste Markgraf Carl Alexander ein Schreiben, in dem er seine Untertanen über seine Abdankung informierte. Auch die Crailsheimer bekamen zu lesen, wer von nun an ihr Stadtherr war: „So verweisen Wir Unsere Unterthanen, Unsere Vasallen und Diener an des Königs von Preußen Majestät, als ihrem nunmehrigen einigen, rechtmäßigen Landes- und Lehen-Herrn.“ So abwegig sich eine preußische Herrschaft heute in Crailsheim anhört, so folgerichtig war sie damals: Der König von Preußen war das Haupt des Hauses Hohenzollern, zu dem auch der Markgraf gehörte. Beim Erlöschen einer Linie fiel der Besitz laut Erbregelung an das Haupthaus zurück. Markgraf Carl Alexander, der in seiner ersten, unglücklich geschiedenen Ehe kinderlos geblieben war, wollte offenbar nicht bis zu seinem Tod in der überschaubaren Residenzstadt Ansbach ausharren: Er heiratete die attraktive Schriftstellerin Lady Elisabeth Craven und gönnte sich vom Verkauf seiner Markgrafschaft ein kurzweiliges Leben mit Reisen durch ganz Europa.

Schriftstück zu Ehren Hardenbergs, 1797
Carl August Freiherr von Hardenberg

In der Markgrafschaft wurde ein preußischer Verwaltungsbeamter eingesetzt: Minister Carl August Freiherr von Hardenberg übernahm die Regierungsgeschäfte in der Provinz – und begann schon bald, den Lebensstil eines regierenden Fürsten zu führen. Auch wenn er umfassende Gebiets- und Verwaltungsreformen mit teilweise autoritärer Strenge umsetzte, war der in seinem Äußeren elegant und souverän auftretende Adlige beliebt. „Seinen“ Untertanen gegenüber war er großzügig und freundlich. Tatsächlich begann in Crailsheim eine Zeit des Friedens und des Reichtums.

Die Crailsheimer dankten es „Seiner Excellenz dem Herrn Minister von Hardenberg“ mit einem Preisgedicht. Die 1797 gedruckte Schrift hat sich erhalten. Hans Sachs, der Sohn des Stadtschultheißen Leonhard Sachs, hatte sie dem Heimat- und Altertumsverein geschenkt, dessen Sammlung an Schriften sich heute im Stadtarchiv befindet. In acht Strophen mit je sechs gereimten Versen huldigen darin die Crailsheimer Hardenberg, ihrem „großen, vielgeliebten Mann, dem sie so herzlich zugethan“. Dabei wird an mehreren Stellen deutlich, dass die Bürger Hardenberg vor allem dafür schätzten, dass Crailsheim unter seiner Regierung – im Gegensatz zu umliegenden Gebieten – nicht mehr in Kriege verwickelt war. Eine Strophe lautet:

 

„Mit Wonne, die Dein Herz belohnt,

Schallt Dank und Jubel Dir entgegen

Aus Hütten, wo die Ruhe wohnt,

Des edlen Friedens bester Segen,

Des süßen Friedens, der durch Dein Bemühn

So ehrenvoll für Preußens Staat gediehn.“

Die glücklichen Zeiten werden auch in der grafischen Gestaltung des Blattes veranschaulicht: Jede Seite ist mit einer Art Triumphbogen verziert, bestehend aus blumenumwundenen Säulen, auf deren Kapitellen Schicksals- und Glücksgöttinnen dargestellt sind. Im Giebelfeld stehen zwei Engelchen mit Siegeskranz und Buch. Auf der Vorderseite bringt ein Engelchen Blumen zu einem pyramidenförmigen Denkstein, an den die Kriegswaffen gebunden sind. Auf der Rückseite ist das allegorische Bild eines Schäfers mit seiner ruhig versammelten Herde zu sehen, alles ist so friedlich, dass sogar der Schäferhund schlafen kann.

Zeichnung aus dem Schriftstück zu Ehren Hardenbergs

Die wirtschaftliche Blüte hatte seine Ursache in der vorausschauenden Förderung von Textilindustrie, Bergbau und Landwirtschaft: Während der Zeit Hardenbergs wurde in der Region die Dreifelderwirtschaft eingeführt und um die Stadt herum Gemüsegärten angelegt. Hopfen und Tabak wurden angebaut. Dem Statthalter wurde auch eine augenzwinkernde Referenz erwiesen: Die neu eingeführte Kartoffel trug den Namen „Hardenberger“.